Es war einmal, im Frankenland, ein schwarzhaariges, wohlerzogenes Einzelkind. Die Mutter sprachbegabt und gütig, der Vater Mathematiker und streng aber gerecht. Das Kind hießen sie Rübe. Eines schönen Ferientages, Rübe zielte seit geraumer Zeit an zwei Apfelbäumen vorbei (man spielte Fußball), rief der Vater: „Rübe, das lernst du nie. Du hast kein Ballgefühl!“ Das Kind merkte und verstand: Ich kann das nicht, ich will das nicht, ich brauch das nicht, also lass ich es.
Bald darauf, die Familie zog gen Norddeutschland. Einige Schulmädchen lachten unsere kleine Rübe aus. Schließlich sprach sie einen gar sonderbaren Dialekt. Doch Rübe störte das nicht. Hellblonde Mädchen, die in den Pausen durch die Gegend hüpften oder ihre Puppen umzogen, fand sie eh langweilig. Und nachmittags beschäftigte sie sich am liebsten alleine. Man gab ihr Papier, Stifte und Bastelmaterial, und sie malte und schrieb und bastelte und war glücklich. Oder Bücher, und sie las, lachte und war in einer anderen Welt. In der gab es Jungs. Die bauten Flöße, spielten Detektiv (oder Karten) und fingen Fische. So etwas gefiel Rübe. Sie lernte Skat, radelte durch die Gegend, beobachtete Rabenvögel und kletterte auf die höchsten Bäume weit und breit.
In der Oberstufe, Rübe übernahm jedes Referat freiwillig. Sie mochte es, andere für ihre Lieblingsthemen zu begeistern. Oder für Bücher. Manche sagten „Streeeberin!“ oder veralberten ihre braven Sandalen. Rübe entschied, anders zu werden. Frecher. Sie kaufte Stoff, bedruckte ihn und nähte ihre Kleidung erst mal selbst. Und sie beschloss, unnütze Schulfächer bleiben zu lassen. Beides verschaffte ihr Respekt. Aber Rübe brauchte auch Geld. Also gab sie Nachhilfe. In jenen Fächern, die ihr wichtig waren, und in denen sie gut war: Deutsch, Englisch, Mathematik. In Kunst mochte damals leider niemand Nachhilfe haben.
Man erstand ein Haus auf dem Land, und ihr neuer Schulweg wollte wundersamer Weise nicht enden. Die Eltern stellten sie vor die Wahl: „Möchtest du eine Jahreskarte für den Bus – oder ein neues Fahrrad?“ Genau einmal zwängte sich Rübe in den lauten, stickigen Schulbus. Dann suchte sie sich ein schnelles Rad aus und glitt fortan bei Wind und Wetter durch die weite Landschaft. Das gab ihr ein Gefühl von Freiheit.
Rübe wurde volljährig und wollte studieren, in einer Stadt namens Nürnberg. Die Prognosen für Lehrämter waren ungünstig, und von den schönen Künsten wurde allgemein abgeraten. Also kam BWL heraus. Doch bald schon war Rübe unglücklich mit ihrer Wahl. Zinseszins, Grenzkosten, Operations Research. Sie spürte, solche Dinge waren zwar sinnvoll, aber nicht für sie; es reichte, wenn andere sich mit ihnen beschäftigten. Rübe wechselte, konzentrierte sich auf Personalwesen, Kommunikation und Psychologie, und schloss als Diplom-Sozialwirtin ab. Mehrere Praktika und Jobs ließen sie ihre Zukunft längst im Bildungswesen sehen. Und tatsächlich. Sie fand eine Festanstellung und befasste sich von nun an mit Begriffsungetümen wie „Mitarbeiterbeurteilungsgespräche“, „Personalentwicklungsstrategien“ oder „Potentialeinschätzungsverfahren“. Gott sei Dank gab es auch kürzere Wörter wie „Schulung“ oder „Training“. Und zum Glück hatte sie einen Vorgesetzten, der sie schätzte. Für ihre proaktive, analytische, zügige Arbeitsweise. Und für ihre Kreativität. Sie durfte sich austoben, Konzepte erhirnen, Ideen umsetzen. Doch eines Tages verschwand der Vorgesetzte; er war der Kollegen und Aufgaben überdrüssig geworden. Sein Nachfolger, der am liebsten verwaltete, konnte Rübe nicht so recht begeistern. Daher zog auch sie bald von dannen und machte sich selbstständig.
Ein Logo sollte her. Beinahe wie im Märchen begegnete Rübe einem weißen Raben, dem „corvus albus“. Sie schien auf eine Wortschöpfung des römischen Satirikers Juvenal gestoßen zu sein; heutzutage oftmals kurz übersetzt mit „anders als die anderen“. Passt!, dachte Rübe, und machte einen Ausflug ins Markenrecht. Das freie Beraterdasein gefiel ihr durchaus, sie lernte einige Unternehmen kennen, und viele abwechslungsreiche Trainerjahre folgten. Die Dynamik von Gruppen, die Macht der Sprache faszinierten sie. Nebenbei beradelte sie die Kontinente und erklomm so manch hohen Gipfel. Ein Handy brauchte sie nie.
Eines sonnigen Wintertages, in sterilen, kühl gekachelten Räumen, beraubte man sie ihrer Stimme. Rübe konnte nur noch krächzen. Scheibenkleister!, dachte sie, und blickte auf ihren weißen Raben. Sie entwickelte neue Geschäftsbereiche, vorrangig schreibender Art. Jahre später, ihre Stimme war fast wieder die alte, besann sie sich ihrer sonstigen Leidenschaften. So machte sie selbst frühe Hobbys zum Beruf und stellte sich allerlei Wettbewerben. Sie liebte die Herausforderung, und Erfolge gaben ihr Recht. Rübe erweitert ihr Angebot noch heute. Und wenn sie nicht gefordert ist, dann schreibt sie neue Seiten. Zum Beispiel diese hier: http://spaethprogramm.de/humor.
geboren in Karlsruhe
gespielt in Fürth
geschult in Oldenburg
studiert in Nürnberg
gearbeitet für (u. a.) BMW, GfK, Quelle, HUK-Coburg, TÜV, IHK, ING-DiBa, FAU, BBK
gereist, getrekkt, geradelt - weltweit
selbstständig seit 1995 (freiberuflich)
Marke "corvus albus" seit 1999
gezogen nach Maikammer (Südpfalz) 2011
Barbara Späth
Krelingstraße 21
90408 Nürnberg
Telefon: (0911) 24 13 98
Marktstraße 41
67487 Maikammer (Südpfalz)
Telefon: (06321) 958 75 61
E-Mail: spaeth[at]corvus-albus.de
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