Die Tätigkeitsbezeichnungen Beraten und Coachen werden heutzutage oft synonym verwendet. Worum geht es? Unternehmensexterne Fachleute beraten oder coachen Chefs, Mitarbeiter oder ganze Teams. Etwa in Sachen Teamfähigkeit, Social Media, Projektmanagement. Die Fachliteratur versorgt Führungskräfte nebenbei mit einer zusätzlichen Aufgabe – sie sollen ihre Mitarbeiter seit geraumer Zeit nun auch (mit entsprechendem Instrumentarium) coachen können. Manch anderer gönnt sich privat, auf eigene Kosten, ein Coaching. Der Klient heißt Coachee, und der Coach, auch wenn er weiblich ist, Coach (nicht Coachin). Wer nicht zum Coach will, zum Beispiel der Coach selbst, der geht auf die Couch, also zum Therapeuten. (Sie merken, es wird satirisch. Mehr davon im Text "Was denn nun" auf der Registerkarte "Training": http://spaethprogramm.de/training.)
Ich möchte Ihnen kurz anhand eines Beispiels veranschaulichen, wann ein Coaching durch einen Profi unnötig ist, und wann empfehlenswert. Stellen Sie sich vor, Sie möchten Ihren IQ trainieren. Was tun Sie? Sie besorgen sich gute Übungsaufgaben. Im Buchhandel, Internet, auf DVD o. dgl. Schon kann’s losgehen, Selbstdisziplin vorausgesetzt. Und wenn Sie den Wettbewerb lieben oder als Ansporn brauchen, dann trainieren Sie mit Kind und Kegel. Sie coachen sich also quasi selbst! - Stellen Sie sich nun bitte vor, Sie möchten Ihre "emotionale" Intelligenz (Ihren EQ) verbessern; etwa weil Ihnen berufliche und/oder private Umwelt wiederholt signalisiert haben, Sie seien unangemessen "aggressiv", besonders "empfindlich" oder ziemlich "kompliziert". Schon sieht die Lage etwas anders aus. Sie brauchen womöglich ein professionelles menschliches Gegenüber. Eines, das Ihnen unvoreingenommen begegnet, Ihnen zuhört, Sie beobachtet, Sie gezielt in bestimmte Situationen bringt; Ihr Verhalten spiegelt, Alternativen anbietet und Sie unterschiedliche Wirkungen erleben lässt. Und damit beste Voraussetzungen für eine Verhaltensänderung schafft. Das kann ein guter Coach leisten. (Ein guter Therapeut auch.)
Je nach Thema können einzelne Beratungstermine durchaus telefonisch oder per Mail stattfinden. Erfahrung und Feedbacks zeigen, dass Coachings auch erfolgreich möglich sind, ohne sich jemals persönlich zu treffen. Das sagt zum Beispiel eine Berufstätige mittleren Alters, die nebenbei ein angefangenes Buchmanuskript vollenden wollte – inzwischen ist es als book on demand erhältlich, und sie ist hochzufrieden. Das sagen zwei Freunde, die ihre große Unsicherheit bei Meetings ablegen wollten – heute leiten sie selbst welche. Das sagt auch eine Top-Führungskraft, der die Freude an der Arbeit gründlich abhanden gekommen war – heute ist sie in einem neuen Job glücklich.
Wie viele Termine insgesamt nötig sind, stellt sich meist schnell heraus. Manchmal reichen sogar zwei. Bekanntlich helfen fest vereinbarte Termine vielen Menschen dabei, ihren "inneren Schweinehund" zu überwinden. Ob es nun um das Training von IQ oder EQ, freier Rede oder Selbstwertgefühl, Tennis oder Basketball geht. Wenn Sie zu diesen Menschen gehören, dann rufen Sie mich an (es sei denn, Sie wollen Tennis oder Basketball spielen): (0911) 24 13 98.
Die obige Gleichung wird in Intelligenzforschung und -trainings gern zitiert. Ist das gut so? Nun, wir haben es hier mit einem klassischen Beispiel für Scheingenauigkeit zu tun. Also mit einer Genauigkeit, die es in der Realität nicht gibt. Nicht geben kann. Schließlich bewegen wir uns nicht in den Naturwissenschaften (und haben ein Messgerät wie eine Waage oder ein Lineal zur Verfügung). Sondern vielmehr in der Psychologie. Und weder logisch-analytische noch emotionale Intelligenz können so valide (gültig) und reliabel (zuverlässig) gemessen werden, dass es – streng genommen – zu vertreten wäre, sie zu addieren. Beziehungsweise zu behaupten, ihre Summe sage etwas über das konkrete Ausmaß der "Erfolgsintelligenz" (EI) eines Menschen aus.
Dennoch. Zum Auslösen von verhaltenswirksamen AHA-Effekten, etwa im Einzeltraining oder Coaching, ist es durchaus sinnvoll, mit der einprägsamen Formel zu arbeiten. Sie macht uns anschaulich bewusst: Ein hoher IQ ist zwar vorteilhaft, wenn es darum geht, abstrakt zu denken, klassische Eignungstests zu bestehen oder z. B. Mathematik zu studieren. Der IQ allein sagt aber noch nichts darüber aus, wie erfolgreich ein Mensch in seinem konkreten Berufsalltag arbeitet; in so manchen (etwa beratenden) Berufen ist ein hoher EQ (Emotionalquotient) sogar wichtiger.
Emotionale Intelligenz lässt uns angemessen mit Gefühlen umgehen, mit den eigenen und denen anderer. Sie lässt uns optimistisch eingestellt sein, aktiv zuhören, Anteil nehmen, zielführend kommunizieren, kooperativ handeln, gute Kontakte knüpfen, frustrationstolerant sein bzw. eine hohe Selbstmotivation haben. So ist beispielsweise ein Mathematiklehrer erst dann ein "erfolgsintelligenter" Lehrer, wenn er im Unterricht die richtigen Entscheidungen trifft, sich in seine Schützlinge hineinversetzen, sie begeistern kann, ihnen tatsächlich etwas beibringt. Und dazu muss er kein mathematisches Genie sein.
Barbara Späth
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